Vom Wert von Unternehmenswerten 2. Offenheit (Transparenz)

Ein Klassiker Offenheit oder Transparenz ist ein Unternehmenswert, der nach Aussen hin sich meist auf die gesetzlichen Bestimmungen bezieht. Hier müsste das wohl eher „erzwungene Offenheit“ zur Öffentlichkeit heißen. Eine Vielzahl von Unternehmen benutzt intern diesen Wert auch um Impulse für die Zusammenarbeit zu setzen. Dabei ist Informationsasymmetrie – Also Informationsvorsprung gegenüber Anderen – eine der wichtigsten Überlebensinstrumente im Hinblick auf das Überleben in der Mikropolitik eines Unternehmens.

Kehrwert 1: Naivität

Wer allzu offen mit seinen Kollegen, Schnittstellen und Vorgesetzten spricht tapst schnell in Fettnäpfchen oder nimmt die Säge für den eigenen Ast in die Hand. Sehr genau muss sich ein Organisationsmitglied überlegen: Wem sage ich was in welchem Ton. Offenheit gerne – aber nur so weit, wie es das organisationspolitische Machtgefüge aushalten kann.

Kehrwert 2: Ersetzbarkeit

Offenheit in der Zusammenarbeit wird auch gerne mit den People-To-Document-Strategien im Wissensmanagement proklamiert. Mit anderen Worten, teile bis die Expertise so implementiert ist, dass der Mitarbeiter ersetzlich wird. Aus Sicht von Organisationen unbedingt erforderlich. Aus Sicht des Arbeitnehmer ein kleiner beruflicher Selbstmord auf Raten.

Vorsicht: Werte sind eher Ziele, als Tatsachen

Kritisch ist hier von der Wichtigkeit her gedacht. Die Sinnfrage stellt sich bei immer mehr Arbeitnehmer und vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sind Werte mehr und mehr ein Argument für die Entscheidung für einen Arbeitnehmer. Daher ist die Enttäuschung bei vielen Mitarbeiter über die Differenz von „espoused therories“ (Selbstbeschreibung in den Werten) und „theories in use“ (tatsächlich wirkenden Werten) [Begriffe nach Chris Argyris und Donald A. Schön] sehr groß.

Aber auch hier gilt es für die Organisationen: Anspruch und Wirklichkeit dürfen nicht zu weit auseinanderliegen. Werte wirken nicht durchs aufschreiben, sondern durch das Verhalten der Akteure. Werte lebendig zu machen ist eine Menge Arbeit.

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