Eine Antwort muss her: Muss man Arbeit lieben?

Die TAZ befragt zum nächsten Sonntag mit der spannenden Frage Muss man Arbeit lieben?.

Da ich heute sehr früh aufgewacht bin, habe ich mir mal zum Frühstück die Herausforderung gegeben, 900 Zeichen zu dieser Frage (und den vielen drumherum) zu schreiben. Das hier habe ich geschrieben:

Liebe und Spaß sind Begriffe, die direkte Belohnung und Glücksmomente versprechen. Wer sich daran orientiert, ist schnell frustriert oder rennt der berühmten Mohrrübe am Stöckchen hinterher. Arbeitnehmer und –geber tun sich keinen Gefallen mit einer solchen Erwartungshaltung.
In meiner Arbeit (u.A. Gelassenheitstraining, Arbeit mit Führungskräften) stelle ich lieber die Frage nach Zufriedenheit. Die Antworten sind sehr individuell, wie auch die Grenzen der Arbeit. Wer das allgemeine Maß für alle sucht, wird wohl keine Antwort finden.
Allen, die sich diese Fragen stellen, rufe ich auf, auszuprobieren und immer wieder neu zu entdecken, was persönlich zu Zufriedenheit führt. Und Arbeitgeber können genau dieses ermöglichen, durch Führung, die auf den Einzelnen eingeht, Flexibilität, aber auch einen klaren Rahmen, was geht und was nicht.
Und was macht die meisten Menschen zufrieden? Spaß ist ein Bereich, ein anderer Lernen und natürlich Ergebnisse unserer Arbeit. So wie ich mich freue, dass mein Beitrag hier steht. Viel Spaß beim Entdecken!

Was ich damit ausdrucken will: Die eine Antwort auf die Frage „Wo ist die Grenze?“, „Ist Liebe zur Arbeit gut?“ gibt es nicht. Nicht einmal für eine Person, denn die Antworten verändern sich übers Leben. Wer nicht flexibel mit dieser Frage umgeht, also zu sehr einen Status verteidigt, wird schnell enttäuscht sein. Wer sich zu hohe Erwartungen setzt, ebenfalls. Was also tun?

Wer Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Erfolg sucht, muss experimentieren und ausprobieren. Warum? All das hängt mit unseren Erwartungen zusammen. Wenn wir ausprobieren, setzen wir unsere Erwartungen weder zu hoch („Es muss gelingen, sonst bist Du unglücklich“), noch zu niedrig („Es klappt eh nicht, da wirst Du nicht mit zufrieden.“).

Wer jetzt wilde Lebensexperimente starten will: Es hilft beim Ausprobieren, in etwa die richtige Richtung einzuschlagen. Wer eine Familie gründen will, sollte vielleicht nicht ausprobieren, wie gut einem eine 80 Stundenwoche tut. Wer gerade den nächsten Karriereschritt angehen will, sollte wohl nicht mit einem Sabbatical experimentieren. Zielräume und derzeitige Bedürfnisse sollten dem Experiment nicht widersprechen.

Das ganze klingt wunderbar einfach, oder? Tja, ist es auch. Aber weil der Mensch es sich gerne selbst kompliziert macht, gibt es für uns Psychologen immer noch zu tun.

So, und jetzt bombardiert mich mit Kommentaren zu meinen simplen Thesen zu den großen Fragen!

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