Vom Wert von Unternehmenswerten 3.-4. Verantwortung und Nachhaltigkeit

Alles Werte von Volkswagen. Im Zeichen der „Lügendiesel“-Affäre sind gleich mehrere Werte (Vorsicht Wortspiel) unter die Räder gekommen.

Verantwortung

Hier zeigt sich die große Differenz aus herausposaunten und gelebten Werten. Derzeit werden wieder nur die Verantwortlichen gesucht, die das Steuergerät programmiert haben. Viel spannender ist die Frage, wie kann eine Führungskultur entstehen, in der die Einhaltung eines Innovationsplanes wichtiger ist, als die Integrität einer Organisation in der Gesellschaft?

Stichworte: Fehlerkultur, Verantwortung für Erfolg, Verantwortung für Fehlschläge

Als ob man Innovationen ernsthaft verbindlich planen könnte. Ist es Angst? Ist es Ja-Sagertum? Ich weiß es nicht, aber der Wert Verantwortung scheint sich hier anders darzustellen, als ich es für mich definieren würde.

Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit wird im Rahmen dieser Vorkommnisse auch noch mal kräftig redefiniert. Diese Grafik sagt alles aus:

Quelle: https://xkcd.com/1007

#kopftisch

Durch das Agierten eines so renomierten Konzerns werden wichtige Werte sinnentleert.

Lassen wir es bitte nicht so weit kommen:

Quelle: Dilbert.com

Vom Wert von Unternehmenswerten 2. Offenheit (Transparenz)

Ein Klassiker Offenheit oder Transparenz ist ein Unternehmenswert, der nach Aussen hin sich meist auf die gesetzlichen Bestimmungen bezieht. Hier müsste das wohl eher „erzwungene Offenheit“ zur Öffentlichkeit heißen. Eine Vielzahl von Unternehmen benutzt intern diesen Wert auch um Impulse für die Zusammenarbeit zu setzen. Dabei ist Informationsasymmetrie – Also Informationsvorsprung gegenüber Anderen – eine der wichtigsten Überlebensinstrumente im Hinblick auf das Überleben in der Mikropolitik eines Unternehmens.

Kehrwert 1: Naivität

Wer allzu offen mit seinen Kollegen, Schnittstellen und Vorgesetzten spricht tapst schnell in Fettnäpfchen oder nimmt die Säge für den eigenen Ast in die Hand. Sehr genau muss sich ein Organisationsmitglied überlegen: Wem sage ich was in welchem Ton. Offenheit gerne – aber nur so weit, wie es das organisationspolitische Machtgefüge aushalten kann.

Kehrwert 2: Ersetzbarkeit

Offenheit in der Zusammenarbeit wird auch gerne mit den People-To-Document-Strategien im Wissensmanagement proklamiert. Mit anderen Worten, teile bis die Expertise so implementiert ist, dass der Mitarbeiter ersetzlich wird. Aus Sicht von Organisationen unbedingt erforderlich. Aus Sicht des Arbeitnehmer ein kleiner beruflicher Selbstmord auf Raten.

Vorsicht: Werte sind eher Ziele, als Tatsachen

Kritisch ist hier von der Wichtigkeit her gedacht. Die Sinnfrage stellt sich bei immer mehr Arbeitnehmer und vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sind Werte mehr und mehr ein Argument für die Entscheidung für einen Arbeitnehmer. Daher ist die Enttäuschung bei vielen Mitarbeiter über die Differenz von „espoused therories“ (Selbstbeschreibung in den Werten) und „theories in use“ (tatsächlich wirkenden Werten) [Begriffe nach Chris Argyris und Donald A. Schön] sehr groß.

Aber auch hier gilt es für die Organisationen: Anspruch und Wirklichkeit dürfen nicht zu weit auseinanderliegen. Werte wirken nicht durchs aufschreiben, sondern durch das Verhalten der Akteure. Werte lebendig zu machen ist eine Menge Arbeit.

Vom Wert von Unternehmenswerten: 1. Unternehmerisches Handeln

In dieser Serie von Artikeln soll über den Sinn und Unsinn von Unternehmenswerten reflektiert, gestritten, geätzt und gerungen werden. Oft stehen hinter den positiven Werten in der Schattenseite die „wahren“ Werte. Denn bestenfalls sind viele Werte eher gut gemeint, als ehrlich gut gemacht.

Unternehmenswerte sind zur Zeit unverzichtbare Bestandteile interner und externer Kommunikation

Werte werden in unzähligen Organisationsentwicklungsprozesse erarbeitet, in schöne Prospekte verpackt und immer wieder bemüht sinniges und unsinniges Verhalten zu rechtfertigen. Nehmen wir zum Beispiel den immer wieder auftauchenden Wert des Unternehmertums (Act as an owner und wie sie noch genannt werden).

Wert: Unternehmertum – Kehrwert: stumpfer Sparzwang

Unternehmerisches Handeln wurde von Ulrich Bröckling in einem Interview von Zeit-Campus als Instrument bezeichnet den äußeren Druck durch inneren Druck zu ergänzen. Immer wieder erlebe ich in Beratungssituationen, dass viele an dem Anspruch unternehmerisch zu handeln scheitern müssen. Es gibt nämlich einen entscheidenden Unterschied zwischen Unternehmern und Angestellten:

Unternehmer dürfen Entscheidungen über Ressourcen treffen, Angestellte mit einem Budget zurechtkommen.

Ohne echten Entscheidungsspielraum wird der Wert des Unternehmertums degradiert zu der Entscheidung Bus statt Taxi zu fahren. Unternehmer entscheiden mit welchen Mitteln Sie Ihr Ziel erreichen, Angestellte reiben sich ständig an den von der Organisation gesetzten Grenzen. Also Leute wenn Ihre Mitarbeiter wie Unternehmer agieren sollen schenken Sie ihnen Vertrauen und geben Sie Ihnen auch Ressourcen. Dann können Sie zeigen, ob Sie es können oder wollen. Denn nicht jeder Mensch ist automatisch unternehmerisch denkend. Und das ist Okay!