Frage aus der Hölle 4: [ein echter Klassiker]: „Wie sieht es denn bei Ihnen eigentlich mit der Familienplanung aus?“

Gerade wieder frisch von einem Seminarteilnehmer gehört…

Ein echter Klassiker der verbotenen Fragen. Der Bewerber landet in einer Zwickmühle. Will er trotz dieser wirklich verbotenen Frage noch bei so einer Firma arbeiten? Aufstehen und rausgehen? Was antworten?

Am besten wäre es sich erklären zu lassen, in welchem Zusammenhang die Familienplanung mit den berufsbezogenen Kompetenzen stünde. Aber unhöflich möchte er auch nicht sein. Also lügen?

Ersparen Sie sich die Peinlichkeit, dass Sie umprofessionelle Fragen stellen und bringen Sie nicht Ihre Bewerber dazu strategisch zu lügen.

Meiner Meinung nach hat sich ein Arbeitgeber in diesem Moment disqualifiziert. Es ist verständlich, dass eine Organisation zwecks Planungssicherheit mögliche Auszeiten des Bewerbers abschätzen möchte. Die USA wollen über Angela Merkels Telefonate auch bescheid wissen. Es gibt aber Dinge, die man einfach nicht tut. Und für alle anderen: ES IST VERBOTEN!

Leider haben in diesem Lande noch nicht viele Bewerber mit dem Bezug auf das AllgemeineGleichstellungsGesetz geklagt. Aber offensichtlich muss erst eine Klagewelle über das Land rollen, um diesem Unfug ein Ende zu setzen.

Unfug? Warum Unfug? Die mögliche Auszeit aus familiären Gründen kann zwar in einer Organisation Schwierigkeiten erzeugen (Nachbesetzen?, Vertretung?, Unterbrechungen im Arbeitsablauf). Aber langfristig kommt ein Mitarbeiter wieder und das perspektivisch für weitere 20 Jahre! Und wenn man die Chance hat einen Topkandiaten an sich zu binden, wird man das auch aushalten.

Familienplanung kann nicht das Kriterium sein.

Und übrigens Familien lassen sich nur bedingt planen :-).

Frage aus der Hölle 3: „Wie konnten Sie sich diese Schuhe leisten?“

Ja was soll man dazu noch sagen. Spricht hier Sozialneid? Ist es Alltagsrassismus? Geht es um die Entkräftung von Vorurteilen?

Fakt ist, diese Frage ist weder zielführend noch erlaubt. Sie diskriminiert immer, verunsichert den Kandidaten und ist eine echte Frage aus der Hölle.

Wie soll sich ein Kandidat verhalten? Es entsteht ein Rechtfertigungsdrang und die gefragte Person wird sogar kriminalisiert. Liebe Kollegen da draußen. Warum fragt Ihr so etwas???

Frage aus der Hölle 2: „Sind sie zu Mama oder Papa gerannt, wenn sie sich weh getan haben?“

Als der Seminarteilnehmende mich gefragt hat, wie man auf diese Frage in einem Bewerbungsgespräch reagieren sollte, war ich – sagen wir mal -… sprachlos.

Was ist gut an dieser Frage?

Sie ist in die Vergangenheit gerichtet vielleicht führt das später auch noch zu einem konkreten Beispiel. Das war es dann auch schon.

Ansonsten gehört diese Frage nicht in ein Bewerbungsgespräch. Warum?

Es gibt verschiedene Gründe: Das allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG), fehlende jobbezogene Relevanz, verheerende Aussenwirkung für das Unternehmen und schlicht und einfach das Faktum, dass dieses den Vertretern einer Firma einfach mal nichts angeht. Oh mein Gott ein Bewerbungsgespräch ist keine Therapie!

Es geht darum die Persönlichkeit hinsichtlich der jobrelevanten Anforderungen kennen zu lernen. Das geht am besten mit darauf fokussierten Fragen. Nicht mit selbstgekochten Einfragenpersönlichkeitstests.

Sie waren auch schon mal Opfer von Fragen aus der Hölle? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Frage aus der Hölle 1: „Sind sie eine Eule oder Lerche/Lärche“

Eine Frage die so gestellt an Irrelevanz wohl schwer zu übertreffen ist, denn es ging um eine kaufmännische Arbeit die nichts mit Forstwirtschaft zu tun hat. Der Bewerber stellt darauf hin natürlich die Rückfrage: „Meinen Sie den Vogel oder den Baum?“. Antwort des Interviewers: „Das kommt auf Sie an.“.

Was könnte der Personaler wissen wollen?

Mit wohlwollender Haltung würde ich sagen es soll durch eine Metapher etwas über das Selbstbild herausgefunden werden. Aber durch die intransparente Gesprächsführung wird beim Bewerber nur Verwirrung und Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Interviewers ausgelöst. Wenn das das Ziel war ist es vollkommen erreicht worden.

Der Bewerber sagt der Firma ab, trotz attraktivem Jobangebot.

Die Arbeit mit Methaphern ist ein zweischneidiges Schwert. Oft zu indirekt und mit der Gefahr unprofessionell zu wirken. Wenn Sie mit Metaphern arbeiten wollen und sie etwas über das Selbstbild herausfinden wollen, stellen Sie die Frage offen: „Wenn Sie sich mit einer Metapher selbst beschreiben, welches Tier wählen Sie dafür?“.

Aufgrund der Mehrdeutigkeitsgefahr empfehle ich die Arbeit mit Metaphern sehr sparsam einzusetzen. Wenn Sie etwas über Selbstreflexion erfahren wollen fragen Sie besser nach einem konkreten Beispiel: „Bitte beschreiben Sie eine Situation aus Ihrer beruflichen Erfahrung, in der Sie ihr Verhalten hinterfragt und reflektiert haben.“ – einfach, eindeutig und ohne Waldspaziergang.